Gold

Gold in Salzsäure, Bild: Pia Rodermond

Heute gab es einen magischen Moment in meinem Chemiker Leben. Ich führte Schüler*Innen einer Grundschule die Wirkung von Salzsäure vor. Salzsäure, eine klassische Mineralsäure mit der Formel HCl, ist korrosiv gegenüber Metallen. Magnesium und Eisen lösen sich unter Bildung von Wasserstoff und Hitzeentwicklung relativ schnell auf, edlere Metalle wie Gold lösen sich nicht auf.

Ich löste vor den Augen der Schüler*Innen ein Stück Magnesiumband auf, was wiederum eine lebhafte Diskussion unter den Schüler*Innen auslöste, was sich alles sonst noch oder gerade nicht in Salzsäure auflöst. Als ich meinte, Gold löse sich nicht auf, und auf meinen Ring an meiner rechten Handzeigte, wusste ich, was auf mich zu kommen würde: Ein Moment, in dem ich meinem Wissen über Chemie zu 100% vertraute. Und das fühlte sich sehr gut an. Ich zog meinen Ring aus und lies ihn in das Becherglas mit der heißen Salzsäure fallen. Und es passierte – …!

Goldring in heißer Salzsäure. Bild: Pia Rodermond

Kleiner Einschub: Gold kam nach heutiger Theorie vor Milliarden Jahren als Ergebnis eines Supernova-Kernkollapses auf die sich bildende Erde und ist schon seit mehr als 6.000 Jahren der Menschheit bekannt. Es wird zum überwiegenden Teil als Geldanlage und als Schmuck verwendet, nur knapp 8 % des Goldes wird in der Industrie eingesetzt, und dort besonders in den Bereichen Elektronik, Optik und Medizin. Gold ist neben ein paar anderen Metallen ein sogenanntes Edelmetall. D.h. es ist besonders beständig gegenüber anderen Chemikalien.

Goldbarren als Kapitalanlage. Bild: bilder.4ever.eu

Neben Gold gelten auch Silber, Platin und Palladium als Edelmetalle. Die chemische Stabilität von Gold und den im Periodensystem benachbarten Edelmetallen ist in der besonderen Elektronenkonfiguration begründet. Jedes Atom besteht einer spezifischen Anordnung von Protonen, Neutronen und Elektronen. Die Elektronen des Goldes befinden sich vorzugsweise in recht geringen Abständen zu dem Atomkern und tragen somit nicht zur Reaktionsaktivität des Goldes bei. Auch treten bei Gold und anderen schweren Edelmetallen relativistische Effekte auf, da die Elektronen sich im Gegensatz zu den Elektronen von unedlen Metallen eine Geschwindigkeit haben, die der Lichtgeschwindigkeit nahe kommt.

Vielleicht tragt ihr auch Schmuck aus diesen Edelmetallen, oder Mischungen aus diesen Edelmetallen, die auch Legierungen genannte wird. Der Ring, den ich in die heiße Salzsäure legte, besteht aus 75% Gold und ca. 25% Silber. Und er löste sich nicht auf. Es überraschte mich nicht wirklich, ich war mir ziemlich sicher. Die Schüler*Innen hielten trotzdem den Atem an, einige waren sogar etwas erschrocken, hatte ich ihnen doch zuvor gezeigt, wie sich ein Stück Magnesium und ein alter Nagel in der Säure auflöste.

Warum war dieser Moment magisch für mich? Weil ich der Wissenschaft vertraute und nicht enttäuscht wurde. Weil ich die Stimmung bei den Schüler*Innen mitbekam, die von Aufregung und Begreifen geprägt war. Und weil dieses kleine Experiment mit einem Ring aus Gold durchgeführt habe. Der Begriff Gold wird vielfach euphemistisch eingesetzt. Das schwarze Gold (Öl), das flüssige Gold (Honig), der goldene Oktober. Auch im zwischenmenschlichen spielt Gold eine Rolle, steht es doch für Langlebigkeit und Wertigkeit einer Beziehung. Gold und Goldringe haben auch eine mystische und literarische Bedeutung, ich muss direkt an den Ring der Nibelungen oder den „Einen Ring“ aus Tolkiens Mittelerde denken. Und weil Gold emotional so aufgeladen ist, war es ein besonderer und magischer Moment, als ich dieses Experiment mit meinem Goldring durchführte und mich die Wissenschaft nicht enttäuschte.

Vertraut der Wissenschaft!

Mit goldigen Grüßen,

Hendrik Fischer

Minecraft und Chemie – Teil 1

Minecraft ist eines der erfolgreichsten Videospiele der letzten Dekade. In diesem Spiel geht es um Phantasie, Kreativität und  manchmal auch um das Überleben. Das Spiel hat kein vorgegebenes Ziel. Die Spieler*Innen laufen durch die vorgegebene Welt, erkunden tiefe Höhlen, suchen nach wertvollen Bausteinen und Artefakten oder kreieren eigene Gebäude und sogar ganze Welten. Die Welt ist sehr grobpixelig und besteht im Wesentlichen aus kubischen Blöcken. Ein Block Erde, ein Block Wasser, ein Block Stein, ein Block Baum etc… daraus baut sich die ganze Welt auf. Feiner sind bestimmte Handwerkszeuge oder Lebewesen, die von den Spieler*Innen benutzt werden können. Ich habe aus Sicht eines Minecraft Fans die Welt bestimmt nicht gut genug beschrieben, doch lest ruhig weiter.

Ein Bick in die Minecraftwelt / Screenshot

Es soll im Weiteren um die Chemie und die Elemente bei Minecraft gehen: Innerhalb des Spiels existieren 19 verschiedene Blöcke der normalen Oberwelt, die vom Entwickler von Minecraft „Erze“ genannt werden. Aus Sicht eines Chemikers sind Erze bestimmte Gesteinsformen, die Elemente entweder gebunden oder gediegen (gediegen = liegt als Metall selbst vor) enthalten und als Rohstoff für die verarbeitende Industrie abgebaut werden. In Minecraft wird der Begriff sehr frei verwendet, nicht alle „Erze“ in Minecraft sind auch chemisch betrachtet Erze. In Minecraft gibt es  Steinkohle, Eisenerz, Golderz, Kupfererz, Lapislazulierz, Redstone-Erz, Diamanterz und Smaragderz.

Die Minecfrafterze, Quelle: minecraft.fandom.com

Wird hier die Welt der Mineralien und Erze realistisch dargestellt? Nicht ganz, aber das ist sicher auch nicht der Anspruch eines phantastischen Videospiels. Doch werfe ich einen tieferen Blick in die Gesteinsschichten von Minecraft: Mir wird deutlich, dass ich aus unterschiedlichen  Perspektiven auf die Bausteine der Minecraftwelt blicken kann und viel mehr Stoffe und Mineralien existieren, die innerhalb Minecraft nicht als „Erz“ definiert sind.

Chemisch betrachtet sind Eisen, Gold, Kupfer und Diamant chemische Elemente. Ein chemisches Element besteht nur aus einer Art Atome. Eisen besteht nur aus Eisenatomen, Gold nur aus Goldatomen, Kupfer nur aus Kupferatomen und Diamant nur aus Kohlenstoffatomen. In Diamant sind die Kohlenstoffatome auf eine bestimmte Art miteinander verknüpft und unterscheidet sich von Graphit, diesem schwarzen Stoff und Bestandteil des Bleistiftes, in dem zwar auch nur Kohlenstoffatome vorliegen, diese aber anders miteinander verbunden sind. Smaragd, Lapislazuli und Steinkohle sind chemische Verbindungen, und bestehen jeweils aus unterschiedlichen Atomen. Smaragd ist ein Silikat, das die Elemente Aluminium und Beryllium enthält. Die chemische Formel Al2Be3[Si6O18] wirkt recht komplex, der Mineralname Beryll kommt von dem Element Beryllium. Lapislazuli ist keine Minecraft Erfindung, sondern bezieht sich auf eine bestimmte Gesteinsform, die aus mehreren Mineralien besteht. Übersetzt aus dem Lateinischen bedeutet Lapislazuli einfach „blauer Stein“ und ist eine Mischung aus Lasurit (ein Silikat), Pyrit (Eisensulfid, auch Katzengold genannt), Calcit (Kalziumkarbonat) und anderen Beimengungen. Steinkohle ist noch komplexer aufgebaut als Lapislazuli. Steinkohle wird auch als Gestein bezeichntet und besteht aus einer Menge des kristallinen, elementaren Kohlenstoffs. Aber auch aus ganz vielen anderen organischen Makromolekülen, Wasser und anderen Mineralien. Würde Steinkohle nur aus Kohlenstoff bestehen, würde keine Asche nach der Verbrennung übrig bleiben.

Geologisch betrachtet sind Diamant, Smaragd und Lapislazuli Mineralien, da sie im Gegensatz zu „Gesteinen“ aus einzelnen Elementen oder chemischen Verbindungen bestehen. Weitere Mineralien in der Minecraftwelt sind Sand, Quarz, Feuerstein, Granit und Obsidian.

Das Mineral Obsidian in der realen Welt, Quelle: Wikipedia

Wie realistisch ist Minecraft?

Überraschenderweise erkenne ich einige Aspekte der Mineralogie und Erzbehandlung, die auch in der Realität vorkommen.

Die Geschichte der Herstellung von Metallen aus Erzen ist sehr alt und kann auf ersten Verhüttung von Eisenerz im damaligen Mesopotamien zurückdatiert werden. In der Geschichte der Verhüttung wird prinzipiell immer Metallerz mit Kohle als Reduktionsmittel und Energielieferant in Verbindung gebracht.

chemische Formel der Umwandlung von Eisenerz mit Kohle in elementares Eisen

Erste Hochöfen entstanden 500 v. Chr. Bei Temperaturen von bis zu 1.600 °C wird in einer chemischen Reaktion aus der Eisenverbindung elementares Eisen gewonnen.

Schematische Darstellung eines modernen Hochofens, Quelle: lehrerfreund.de

Moderne Hochöfen wie zum Beispiel der Hochofen 5 der Dillinger Hütte können so bis zu 7.000 Tonnen Roheisen pro Tag produzieren, die größten bis zu 12.000 Tonnen Roheisen pro Tag. In Minecraft ist das sehr verkürzt dargestellt. Die Spielfigur baut Eisenerz ab und erhält direkt vor sich einen Block Roheisen. Der chemische Reaktionsprozess ist ausgelassen.

moderner Hochofen, Quelle: Wikiwand

In einem weiteren Schritt kann die Spielfigur das Roheisen erhitzen und in Eisenbarren formen, die wiederum für unterschiedliche Folgeprodukte wie Eisengitter, Schienen oder eine Eisenspitzhacken verwendet werden können. Das ist wieder realistischer, beschreibt es doch bekannte Grundlagen des Schmiedens. Auch unrealistisch ist die Gewinnung von Smaragd aus Smaragderz oder das Schmieden eines Diamantschwertes.

Aus pädagogischer und naturwissenschaftlicher Sicht ist es schade, dass hier verpasst wurde, einfache chemische Verarbeitungsschritte wie zum Beispiel die Metallgewinnung aus Erzen korrekt wiederzugeben. Programmiertechnisch wäre das sicherlich möglich gewesen.

Aber natürlich hat Minecraft nicht den Anspruch, naturwissenschaftliche Phänomene korrekt wieder zu geben. Ich selber spiele Minecraft unheimlich gerne, weil es meine Kreativität anregt und mir einfach Spaß macht. Und wenn einer von euch Lesenden durch meinen Blogbeitrag einen anderen Blick auf Minecraft hat und sogar das ein oder andere auf Wikipedia oder meinem kleinen Beitrag zur Mineralien oder Salz weiterliest, dann freue ich mich.

Mit steinigen Grüßen besonders an meinen Mitreisenden im ICE Maxime,

Hendrik Fischer

P.S. Es gibt sogar eine Weiterentwicklung, die die Minecraft Welt auf ein anderes chemisches Level bringen möchte. Die Erweiterung „Minecraft Education Edition“ – diese kenne ich noch nicht, bin aber sehr gespannt und werde in meinem zweiten Teil zu „Minecraft und Chemie“ dazu etwas schreiben. Am besten abonniert ihr meine Seite, um auf das und andere Beiträge mit zu bekommen.

Begabtenförderung im Rheinisch Bergischen Kreis – Chemie Experimente für Grundschüler*Innen

Von März bis Juni 2022 habe ich mit Unterstützung des Young-Spirit Programms der Evonik die Begabtenförderung des Rheinisch Bergischen Kreises gestaltet. Mit Chemie-Experimenten – von den Kindern selbst durchgeführt.

Regelmäßig Freitags von 14:00 bis 15:30 saßen 15 Schüler*Innen, der Sachkundelehrer der Grundschule Witzhelden Herr Steinigeweg und ich vor dem Rechner. Ziel war es, den Schüler*Innen Grundkonzepte der Chemie und selbstständige Durchführung von Experimenten zu vermitteln.

Zahlreiche Themen wurden behandelt: Die Verbrennung als chemische Reaktion, die unterschiedlichen Zustände fest, flüssig, gasförmig, vereinfachte Formelsprache („was bedeutet CO2“), die Dichte und das Volumen, Zusammensetzung der Luft, Nicht-Newtonsche Flüssigkeiten, Säuren und Basen, pH-Wert und Farben. Dazu haben die Schüler*Innen noch weitere Aufgaben im Selbstlernmodus durchgeführt. Die Experimente waren während der Online-Zeiten so zu gestalten, dass kein Risiko bestand. Also habe ich die Experimente so designt, dass die Effekte mit einfachen Hausmitteln und Bastelzubehör zu erreichen waren. Und meiner Einschätzung nach hat das der Motivation der Schüler*Innen keinen Abbruch getan Im Gegenteil, bei meiner wöchentlichen Abfrage „Wie es denn gewesen sei“ habe ich durchweg die Daumen hoch gezeigt bekommen.

Am 18.6. war es dann aber so weit: Wir alle kamen in der Grundschule für einen gesamten Vormittag zusammen. Und haben 4,5 Stunden an diesem heißen Tag nur mit Experimenten verbracht – mit „richtigen“ Chemikalien. Richtig in Anführungszeichen, denn dass Chemie überall ist, haben die Schüler*Innen schon ganz am Anfang verstanden. Glasgeräte wurden ausgepackt und bestaunt, es wurde bunt, es blubberte.

Eine Titrationskurve wurde erstellt, Lavalampen gebaut, bunte Flammen erzeugt und Flüssigkeiten voneinander getrennt. Richtig begeistert war ich, mit wieviel Aufwand und Wissen die Abschlusspräsentationen waren, die die Schüler*Innen an dem Tag vorstellten.

Kleine Highlights waren sicherlich die Brause-Raketen und die Knallgas-Reaktion, die uns alle aufgeweckt hat. Die Begeisterung war den Schüler*Innen und dem Lehrer Steinigeweg anzumerken. Und ich wurde immer zufriedener.

Denn mir wurde bewusst, wie wissbegierig die Schüler*Innen waren und wie sehr daran interessiert, die „richtige“ Chemie zu erlernen. Die Skepsis vor der giftigen und bösen Chemie am Anfang der Serie ist schnell einer realistischen Sichtweise auf die Gefahren aber auch Chancen der Chemie gewichen. Und am Ende hatten alle einfach Spaß.

Und damit war auch eines meiner Hauptziele meines Engagement erreicht: Interesse an der Chemie zu wecken. An dieser Wissenschaft und Industrie, die so stark in der Kritik steht, aber so wichtig für das moderne Leben in unserer Gesellschaft ist. Aus diesem Grund: Immer wieder!

Euer Hendrik Fischer

Bilder: Pia Rodermond, Bilder nicht ohne weitere Einwilligung der Bildrechte innehabende Person erlaubt.

Kunst und Chemie

Kunst und Chemie – geht das zusammen? Und ob, wie ein Kindergeburtstag in Witzhelden zeigt…

Als ich Ende 2021 zum ersten Mal von der Witzheldener Künstlerin und Kunsttherapeutin Lilo Krüger auf meine beginnenden Chemie-Edutainment Angebote angesprochen wurde, hätte ich nicht gedacht, dass ich schon knapp sieben Monate später mit ihr und sieben 10-12 jährigen Mädchen in einer Halle stehen und einen Kindergeburtstag zum Thema Kunst und Chemie gestalten würde.

Kindergeburtstag „Kunst und Chemie“ im Juni 2022. Bild: Pia Rodermond

Doch mir war klar, dass Kunst und Chemie super zusammen passen kann. In der Chemie gibt es viele Reaktionen und Methoden, bei denen Farbe eine Rolle spielen: Bei dem Verfahren der Chromatographie werden Substanzmischungen aufgetrennt und zum Teil farblich sichtbar gemacht. Sogenannte pH-Indikatoren zeigen durch einen Farbwechsel an, ob eine chemische Verbindung eine Säure oder eine Base ist, und wie stark diese ist. Metalle erzeugen spezifische Färbungen einer Flamme und können dadurch analytisch bestimmt werden.

Grüne Flammfärbung durch eine Kupferverbindung, Bild: Pia Rodermond

Die Farbe selbst ist schon sehr lange Teil der Erfahrungswelt des Menschen. Bereits vor 30.000 Jahren wurden Höhlenmalereien mit Hilfe einer Mischung aus Erde, farbgebenden Mineralien sowie Pflanzensäften oder Tierfetten hergestellt. Heute sind Farben zum überwiegenden Teil hochentwickelte industrielle Gemische, die aus organischen oder mineralischen Pigmenten und natürlichen oder synthetischen Trägermaterialien bestehen. Wasserfarben, Acrylfarben, Farben auf Silikonbasis oder Ölfarben… die Vielfalt von Grundbausteinen und Pigmenten ist sehr groß. Dabei machte die beginnende großchemische Produktion seit dem 18. Jahrhundert Farbe endlich stabiler und für viele Menschen erstmalig erschwinglich. Klar, dass ein Teil des Programm auch die Herstellung einer Farbe war.

Herstellung einer Farbe basierend auf Mehl und Lebensmittelfarbe. Bild: Pia Rodermond

Die Teilnehmerinnen waren von den unterschiedlichen chemischen Experimenten sofort begeistert. „Endlich mal etwas selber machen“ – das war mein Eindruck. Etwas Blubbern sehen, etwas bunt Verbrennen sehen und dann auch noch Farbe herstellen. In der letzten Stunde passierte jedoch etwas, was Lilo und ich nicht im Detail geplant hatten: Aus bestimmten chemischen Experimenten und der selbst hergestellten Farbe schufen die Teilnehmerinnen eigene kreative Kompositionen. Das war für mich neben der Begeisterung der Teilnehmerinnen für die Chemie das Schönste an dem Tag: Die Synergie von Kunst und Chemie!

Chromatographie trifft Mehlfarbe und wird Kunst. Bild: Pia Rodermond

Für mich wurde dadurch deutlich, dass das gemeinsam entwickelte Konzept und der Kindergeburtstag ein Erfolg und für alle Beteiligten ein inspirierendes Erlebnis war. Und dafür mache ich das doch. Chemie ist nicht nur wie Kochen, sondern manchmal auch wie Malen.

Bei Chemie immer noch: Bloß nicht den Löffel ablecken. Bild: Pia Rodermond

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Mit bunten Grüßen,

Euer Hendrik Fischer

Geheime Formeln im Alltag

„Habt ihr ein Beispiel für ein Rezept aus dem Alltag?“ „Hefeteig!“

Mit dieser Reaktion am morgendlichen Frühstückstisch am Vatertag konfrontiert mache ich mir Gedanken, ob das Herstellen eines Hefeteiges eine typische chemische Reaktion ist. ‚Eher Nein‘ so mein Gedanke. Zwar stellen die Hefepilze aus Zucker und Stärke biochemisch Kohlendioxid her, welches für die besondere Lockerheit des Teiges sorgt. Und bei dem Erhitzen des Teiges im Backofen findet eine Denaturierung des eingesetzten Hühnereies und des Weizenproteins statt, die zu der gewünschten Stabilität des Teiges sorgt. Aber mal schauen…

Rezept Hefeteig, von http://www.zimtblume.de

Unterscheidet sich ein kulinarisches Rezept von einem chemischen Rezept? Es kommt ein bisschen drauf an.

Zur Visualisierung der chemischen Synthese verwendet mensch eine bestimmte Formelsprache: Reaktionsgleichungen, Strukturformeln, Summenformeln.

Reaktionsgleichungen

In meinen Chemie-Edutainment Kursen an Grundschulen verwende ich diese Formelsprache auch. Zwar stark vereinfacht, aber nicht falsch. Dadurch prägen sich Fachbegriffe auch bei den Kindern ein.

Auf der linken Seite der Gleichung stehen die Ausgangsstoffe (Edukte), auf der rechten Seite die Endstoffe (Produkte). Der Pfeil bedeutet, dass die Reaktion von links nach rechts abläuft.

Aus 2 Wasserstoffmolekülen H2 wird mit einem Sauerstoffmolekül O2 zwei Moleküle Wasser. Aus 6 Molekülen Sauerstoff O2 und einem Molekül Zucker (C6H12O6) werden 6 Moleküle Wasser und 6 Moleküle Kohlendioxid CO2.

Die Darstellung des Molekül in der Summenformel, z.B. H20 oder CO2 oder auch CaSO4 soll deutlich machen, aus welchen Atomen ein Molekül besteht. Die chemische Formel für Gips ist CaSO4. (Eigentlich enthält Gips noch ein paar Wassermoleküle, das habe ich aber vernachlässigt). In einem Molekül Gips ist ein Atom Kalzium, ein Atom Schwefel und 4 Atome Sauerstoff enthalten.

Summenformeln bekannter Chemikalien. Könnt ihr die Namen von allen herausfinden?

Woher weiß mensch das denn – und kann Gips nicht auch mal aus mehr oder weniger Kalzium, Sauerstoff oder Schwefel bestehen?

Nein, und das ist vielleicht ein Unterschied zur Kulinarik. Ein Hefeteig kann mal aus mehr Ei oder mal aus weniger Butter bestehen. Wird jedoch Gips hergestellt, besteht die resultierende chemische Verbindung immer aus dem gleichen Verhältnis Ca:S:O nämlich 1:1:4.

Diese Gesetzmäßigkeit, insbesondere dass Substanzen immer in proportional gleichen Gewichtsanteilen miteinander reagieren, wurde im 18. Jahrhundert erkannt und ist für mich einer der Momente in der Geschichte, in der die Chemie die Alchemie endgültig abgelöst hat. Denn diese Proportionalität von Reaktionsteilnehmen führte zwangsläufig zu wichtigen Erkenntnissen über den Aufbau von chemischen Verbindungen: Anfang des 19. Jahrhunderts formulierte John Dalton das Gesetz der multiplen Proportionen: „Wenn zwei Elemente verschiedene chemische Verbindungen bilden können, stehen die Massen des einen Elements, die sich mit einer gleichbleibenden Masse des anderen Elements verbinden, zueinander im Verhältnis kleiner ganzer Zahlen“.

Und wer hats gefunden? John Dalton, Chemiker.

Kochsalz kann immer nur NaCl sein, Gips immer nur CaSO4,  Der Farbstoff Berliner Blau immer nur Fe4[Fe(CN)6]3 und 1 Molekül Noradrenalin besteht immer aus 8 Kohlenstoffatomen, 11 Wasserstoffatomen, 1 Stickstoffatom und 3 Sauerstoffatomen. (Die Herstellung komplizierter chemische Stoffe ist jedoch leider nicht so einfach. Wenn jemensch 8 Kohlenstoffatomen, 11 Wasserstoffatomen, 1 Stickstoffatom und 3 Sauerstoffatomen zusammen in einen Topf schmeisst, wird sicher nicht die Verbindung Noradrenalin entstehen. Aber zu der Struktur von chemischen Verbindungen schreibe ich gerne ein anderes Mal.)

Chemie ist also nichts unbestimmtes mehr, nicht mehr von Glück oder göttlichem Segen oder alchemistischer Reinigung abhängig. Sondern basiert auf naturwissenschaftlichen Grundgesetzen. Und das finde ich beruhigend und wunderschön. Genau wie das Gefühl eines noch leicht warmen Hefekuchens  vor mir auf dem Frühstückstisch.

Salzige Gedanken

Habt ihr beim Knabbern von Erdnüssen schon mal nachgedacht, woher das ganze Salz kommt? Ein kurzer Blick vom Küchenregal auf unsere salzige Geschichte…

Kurz vor dem alljährlichen Frühlingsfest war ich in einer Wuppertaler Kneipe. Neben dem Bier, über das ich auch hätte schreiben können, lag eine kleine Packung gesalzene Erdnüsse für ein Euro. Das Salz auf den Erdnüssen erregte meine Aufmerksamkeit und erste Ideen für einen neuen Blogbeitrag kamen mir in den Sinn. Auch das Eiersuchen und Eieressen in den vergangen Tagen nährte meinen Gedanken, mein Küchensalz aus einer chemischen Perspektive zu betrachten …

Das Salz

Das Salz ist seit Generationen dem Menschen bekannt. Schon die Sumerer nutzten Salze zur Konservierung von Lebensmitteln und in unseren Breiten gewann mensch Salz in großen Mengen aus dem Meerwasser. Heute wird Kochsalz durch Abbau in Salzbergwerken, durch Herauslösen aus Steinsalz, und durch Eindampfen von Meereswasser gewonnen. Das Gesamtvorkommen von Salz wird auf ca. 3,6 x 1016 Tonnen in den Ozeanen und ca. 1015 Tonnen unterirdisch geschätzt à insgesamt 37.000.000.000.000.000 oder 37 Millonen Millarden Tonnen. Es wird also für lange Zeit genug Salz auf Eiern und Erdnüssen geben.

Salzbergwerk Berchtesgarden, fotocommunity.de

Die Chemie des Salzes

Chemisch betrachtet besteht Salz aus zwei Elementen: Dem Natrium und dem Chlor. Beides sind höchst reaktive Elemente und kommen in der Natur nicht selbst vor, sondern gebunden in anderen Mineralien. Während Natrium ein recht weiches Metall ist, das sehr spektakulär mit Wasser reagiert, ist Chlor ein typisch riechendes, leicht grünliches Gas, das beim Einatmen giftig ist und zum Tode führen kann. Das Reaktionsprodukt aus Natrium mit Chlor ist Natriumchlorid, NaCl – die meisten kennen es unter dem Namen Kochsalz.

Kristallstruktur von NaCl, Kochsalz. Bildnachweis: istockphoto

Natriumchlorid ist eine Verbindung, die auch chemisch als Salz bezeichnet wird. Salze sind Verbindungen aus Metallen und Nichtmetallen. In festen Salzkristallen liegen Metall und Nichtmetall regelmäßig abwechselnd nebeneinander vor. Die Bindung entsteht durch gegenseitige Anziehung von positiv geladenen Metallatomen und negativ geladenen Nichtmetallatomen Na+ und Cl.

Genug der Bindungstheorie

Ich finde es toll, dass bei der chemischen Bildung von Kochsalz mir wieder ein Grundprinzip der Chemie deutlich wird: Chemie ist die Reaktion von zwei Substanzen unter Bildung einer dritten, teils völlig anderen Substanz. Aus dem Natriummetall und dem Chlorgas wird festes Kochsalz – völlig anders im Sinn von physikalischen, chemischen oder auch biologischen Eigenschaften: Aus zwei gefährlichen Substanzen wird eine im toxikologischen Sinn risikoarme Substanz entsteht. Zwar kann mensch sich mit löffelweise verschlucktem Salz schädigen, aber zum Glück stopt der Geschmackssinn. Ähnlich ist es mit der Bildung von Ammoniumchlorid aus den gefährlichen Substanzen Ammoniak und Salzsäure.  Warum schmecken Salmiak Pastillen so komisch? – Ich mach Chemie

Wie wichtig ist NaCl?

Kochsalz ist nicht nur für Erdnüsse und Frühlingseier wichtig. Sondern ist die Ausgangsverbindung für fast alle technisch und in großen Mengen verwendeten Natriumsalze, wie z.B. Soda Na2CO3 (Backpulver), Ätznatron NaOH (u.a. als Kloreiniger), oder Borax Na2B4O7 (für spezielle Gläser). Bei der Herstellung dieser wichtigen Produkte fällt auch eine Menge Chlor an, für das die chemische Industrie auch eine hervorragende Verwendung hat: PVC / Polyvinylchlorid. Dieser Kunststoff findet in vielen Bereichen Verwendung: Im Fußboden von Krankenhäusern und Sporthallen, als Dacheindeckung, als Feuchtigkeitssperre in Tunneln, als Material in Blutbeuteln und Kathetern, in Fenstern und Wasserrohren, um nur einige zu nennen. Deutlich wird für mich wieder, wie effizient das Molekülmanagement der chemischen Industrie ist: Alles hängt zusammen und aus allem wird noch etwas gemacht – ziemlich nachhaltig eigentlich.

Ich hoffe, ich habe euch eure nächste Suppe mit diesem Blogbeitrag nicht versalzen, sondern einen interessanten chemischen Blick auf die Natur gegeben. Schreibt mir ruhig, wenn euch bestimmte Themen besonders interessieren.

Mit knusprigen Grüßen,

Euer Hendrik Fischer

Die Baryt-Rose, Chemie und Bedeutung

Was ist eine Baryt-Rose und welche Bedeutung hat sie?

Heute im Aquazoo in Düsseldorf eine richtig schöne Ausstellung über Mineralien.

Mir fiel ein besonderes Mineral auf: Barytrose, die Mischung von auskristallisiertem Bariumsulfat BaSO4 und Sand.

Die Barytrose ist ein Mineral der VI. Klasse. Diese Klassifizierung ist historisch und stoffbezogen, hat jedoch keine weitere „Bedeutung“. Bedeutung hat diese Baryt-Rose, weil manche Menschen kulturbedingt der Rose eine Bedeutung zuschreiben. Und auch ich kann mich, sozialisiert wie ich bin, nicht der Bedeutung der Rose entziehen.

Die Barytrose aus der Minerale-Sammlung des Aquazoo Düsseldorf

Rein chemisch betrachtet ist die Barytrose (Baryt =Bariumsulfat) eine bestimmte, regelmäßige Anordnung der Elemente Barium, Schwefel und Sauerstoff. Diese Regelmäßigkeit ist ein Grundprinzip von Feststoffen, wie Metalle und Salze: Ganz regelmäßig und stabil sind die Atome in einem Metall- oder Salzgitter angeordnet. In Flüssigkeiten und Gasen, also den beiden anderen, klassischen Aggregatzuständen, ist diese „Fernordnung“ aufgelöst, und Atome und Moleküle sind in Flüssigkeiten und Gasen nicht fest lokalisiert, sondern bewegen sich stark hin und her.

Die Rosenform des Bariumsulfat/Sand-Gemisches hat mich dazu gebracht, über „Bedeutung“ nachzudenken. Bedeutung ist kein naturwissenschaftlicher Begriff, sondern beschreibt die subjektive Wirkung der Betrachtung eines Objektes auf den Menschen im kulturellen Kontext. Interessanterweise benötige ich keine weitere Bedeutung des Baryts, als mich über die subjektive empfundene Schönheit des Minerals zu freuen und einen Anstoß zu haben, wieder etwas mehr über Minerale zu lernen.

+++Minerale sind ein einzelnes Element oder eine einzelne chemische Verbindung, die im Allgemeinen kristallin und durch geologische Prozesse gebildet wurde+++Alles was wir an nicht-organischen, unbelebten, festen Dingen in der Natur finden und eine einheitliche chemische Struktur hat, sind Minerale+++Minerale können toll aussehen oder auch nicht+++der Preis eines Minerals hängt manchmal von der Seltenheit der chemischen Struktur oder der emotionalen Verbundenheit (Diamant) ab+++Lapislazuli ist sowohl in Minecraft also auch in meiner Wahrnehmung der Natur ein schönes Mineral+++

Ich möchte anregen, dass ihr mal schaut, welche Minerale bei euch so rumschwirren. Geht mal in den Garten oder zum nächsten Fluß, brecht ein paar Steine mit nem Hammer auf und schaut, was sich an Vielfältigkeit in der unbelebten Natur vorfindet.

Mit einer Handvoll von miteinander kombinierten Elementen entsteht in der Natur eine unglaubliche Vielfalt unterschiedlicher chemischer Verbindungen in unterschiedlichen Farben, Formen und mit unterschiedlichen physikalisch-chemischen Eigenschaften. Ein paar von diesen habt ihr vielleicht in Keller, Garten, Küche oder Garage, z.B. das Gipsspat (Calciumsulfat Dihydrat = Gips) oder das Halit (Natriumchlorid = Salz).

Die Chemie muss wie die Physik oder auch wie andere Naturwissenschaften keine weitere Bedeutung haben, nicht schön oder symmetrisch sein. Wahrscheinlich ist es die Natur auch gar nicht, wie die moderne Physikerin Sabine Hossenfelder vor wenigen Jahren in ihrer Kritik an dem Zustand der Physik äußerte:

Aber bemerkenswert finde ich, dass die Chemie und die Physik und andere Naturwissenschaften nebem ihrem praktischen Wert für die Menschheit immer wieder Anregung zur Reflexion über den Aufbau der Welt geben. Und so vielfältig, dass jeder Mensch Schönheit in der Natur finden kann. Und sei es auch eine Mineralrose, die Gedanken an geliebte Menschen und Wissenschaften erzeugt.

Euer Hendrik Fischer

Beitragsbild von http://www.seilnacht.com

Die Chemie des Reibekuchens

Reibekuchen – wer mag sie nicht?

Aber habt ihr euch schon mal Gedanken gemacht, was chemisch passiert, bevor ihr in einen saftig knusprigen Reibekuchen beißen könnt?

Es war letzten Sonntag, mein sehr netter Nachbar lud mich und meine Familie spontan zum Reibekuchen Essen ein. Und als ich dann in der Sonne stand und Reibekuchen auf einem Gasofen im Garten briet, dachte ich an die vielen chemischen Reaktionen, die dabei ablaufen. Und nicht nur chemische Reaktionen konnte ich beobachten, sondern auch einige Energieumwandlungen:

Da ist zunächst die Verbrennung des Gases. Propan reagiert mit dem Luftsauerstoff unter Bildung von Kohlendioxid und Wasser.

Die Stoffumwandlung, das heißt die chemische Reaktion ist  einfach erklärt. Bindungen zwischen den Atomen werden aufgebrochen und neue Bindungen geknüpft. Aus zwei Gasen (Propan und Sauerstoff) entstehen ein Gas und eine Flüssigkeit, die letztere verdampft jedoch auch bei den hohen Temperaturen. Würde keine Energie frei werden, würde ich die Reaktion gar nicht bemerken. So aber sehe ich eine Flamme und spüre die Hitze. Licht und Wärme sind beides bestimmte Energieformen. Licht sind energiereiche Photonen oder Wellen, und Wärme ist die Bewegung von Teilchen. Die chemische Energie, die in den Ausgangsmaterialien als Bindungsenergie drin steckt, wandelt sich zum Teil in Energie in Form von Licht und Wärme um.

Propangasflamme, Quelle: Wictionary

Faszinierend finde ich, dass im anschließenden Schritt diese Energien wieder gewandelt werden. Und zwar beim Reibekuchenbraten.

Durch die Hitzezufuhr, d.h. in dem Energie in ein System gesteckt wird, findet eine chemische Reaktion im Reibekuchenteig statt. Wasser verdampft. Die Eiweise (auch Proteine genannt), die durch die zwei Eier im Teig vorliegen, beginnen irreversibel zu denaturieren. Bei diesem recht komplexen Vorgang werden Bindungen im Protein aufgebrochen und wieder neu geknüpft, das Protein faltet sich anders, wird weniger löslich, verklumpt. Mit dem gewünschten Effekt, dass der flüssige Teig immer fester wird, bis hin zum fertigen Reibekuchen.

Braten = Energiezufuhr, die eine chemische Reaktion auslöst

Es passieren auch weitere chemische Reaktionen, die mal mehr mal weniger gewollt sind: Beim Rösten von stärkehaltigen Produkten wie z.B. Reibekuchen oder Pommes Frites soll eine angenehme Bräunung und die Bildung von Röstaromen erreicht werden. Das Rösten ist eine Zersetzungsreaktion der Stärkemoleküle, die leider auch zur Bildung von Acrylamid führen kann. Ein Stoff, der von der europäischen Chemikalienbehörde ECHA als besonders besorgniserregend, krebserzeugend und erbgutverändernd eingestuft wird.

Strukturformeln von Acrylamid, Quelle: Wikimedia

Auf stofflicher Ebene passieren beim Braten des Reibekuchens also einige chemische Reaktionen (Zersetzung von Stärke, Denaturierung von Eiweis). Und Wärmeenergie wird zum Teil wieder in chemische Energie, d.h. Bindungsenergie umgewandelt.

Beim anschließenden Glas Wein dachte ich daran, dass die Gesamtheit von Masse (Materie) und Energie in einem geschlossenen System immer gleich bleibt. Materie kann in andere Materie und Energie umgewandelt werden. Energie kann sich von der einen in eine andere Form umwandeln und auch wieder in Materie transformieren. Dieser 2. Hauptsatz der Thermodynamik und die Relativitätstheorie bilden die Grundlage unseres naturwissenschaftlichen Verständnisses für die Phänomene der Natur.

Und ist es nicht beruhigend, dass es so ist und wir diese Grundlagen auch in den alltäglichsten und schönen Dingen unseres Lebens, wie beim Reibekuchenbraten erkennen können?

Euer Hendrik Fischer

Wein als Genussmittel, Gefahrstoff und Inspirationsquelle für Gedanken über Chemie

Gibt es Palindrome in der Chemie?

Heute ist der 22. Februar 2022, oder auch anders geschrieben 22.02.2022. Einer von wenigen Tagen in diesem Jahrhundert, die vor- und rückwärts gelesen gleich klingen.  Ein Palimdrom Tag. Und das lies meine Gedanken um die Frage kreisen, ob es auch Palindrome in der Chemie gibt? Und die gibt es, aber etwas anders als ihr vielleicht denkt. Ein kleiner Ausflug…

Heute ist der 22. Februar 2022, oder auch anders geschrieben 22.02.2022. Einer von wenigen Tagen in diesem Jahrhundert, die vor- und rückwärts gelesen gleich klingen. à Ein Palimdrom Tag. Und das lies meine Gedanken um die Frage kreisen, ob es auch Palindrome in der Chemie gibt? Und die gibt es, aber etwas anders als ihr vielleicht denkt. Ein kleiner Ausflug…

Chemische Reaktion verlaufen auf den ersten Blick recht einfach. Substanz A reagiert mit Substanz B zu einer (oder mehreren) anderen Substanzen. So reagiert Magnesium mit Sauerstoff mittels einer Zündhilfe unter beeindruckender Flammentwicklung zu Magnesiumoxid. Aus einem grauen Metall wird ein weißes Metallsalz.

Reaktionsgleichung der Verbrennung von Magnesium

Diese Reaktion verläuft unter diesen Bedingungen nur in eine Richtung. Viele chemische Reaktionen können jedoch ohne Problem auch andersrum ablaufen. So reagiert Iod mit Wasserstoff unter Bildung von Iodwasserstoff. Diese Reaktion ist nicht vollständig, denn gleichzeitig zerfällt Iodwasserstoff wieder in Iod und Wasserstoff. Hin- und Rückreaktionen laufen parallel ab, in dem Reaktionsgefäß liegen alle drei Substanzen gleichzeitig vor.

Gleichgewichtsreaktion von Iod mit Wasserstoff zu Iodwasserstoff

Meistens möchten Chemiker*innen nur ein bestimmtes Endprodukt und nicht eine wilde Mischung herstellen, und in der Ausbildung lernen sie, wie das Gleichgewicht der Reaktion zu Gunsten der Endprodukte verschoben werden kann.

Wird auf ein im Gleichgewicht befindlichen System durch Änderung der äußeren Bedingungen ein Zwang ausgeübt, so verschiebt sich das Gleichgewicht derart, dass es dem Zwang ausweicht. Es stellt sich ein neues Gleichgewicht mit vermindertem Zwang ein.

Dieses Prinzip wurde vom Chemiker Le Chatelier zuerst beschrieben und nach ihm benannt. Für mich bedeutet es, dass eine äuserlich stabile und sich im Gleichgewicht befindliche Reaktion durch „Zwang“ in die eine oder andere Reaktion verschoben werden kann. Und der Zwang kann sein: Temperatur, Druck, das Hinzufügen oder Entfernen von Ausgangsstoffen oder Endprodukten. Beispiel: Die Reaktion von Alkoholen mit Säuren hin zu Estern und Wasser ist in einem stabilen Gleichgewicht, d.h. Hin- und Rückreaktionen finden in gleichen Maße statt. Wird das Wasser kontinuierlich aus dem Reaktionsgefäß entfernt, findet die Hinreaktion so lange statt, bis das ursprüngliche Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Und mehr Ester wird entstehen. Dies wird rein praktisch z.B. bei der Weichmacher Synthese durchgeführt, um die Ausbeute von z.B. Phthalaten zu erhöhen.

eine schöne Visualisierung von Gleichgewicht (https://stringfixer.com)

Auch in anderen Bereichen der Natur kann mensch solche Gleichgewichtsverschiebungen beobachten. Vielleicht habt ihr schon mal von Osmose gehört. Osmose ist die Wanderung von Substanzen durch Membranen, um ein Ungleichgewicht auszugleichen. Praktisch habt ihr das vielleicht selbst schon mal durchgeführt: So wird beim Konservieren von Lebensmitteln durch Zugabe von viel Salz oder Zucker das in dem Lebensmittel enthaltene Wasser durch Osmose entzogen, da die Konzentration von Zucker oder Salz außen sehr viel höher als im Inneren des Lebensmittels ist. Das Lebensmittel wird „getrocknet“ und ist dadurch länger haltbar.

Reaktionen in der Natur oder im Reagenzglas finden selten nur in eine Richtung statt. Sehr häufig kann die Reaktion auch wieder zurück ablaufen. Der vermeintlich stabile Zustand im Gleichgewicht kann durch geeignete Mittel verschoben werden.

Sucht doch auch mal in eurem Alltag Situationen, in denen Hin- und Rückreaktionen stattfinden. Vielleicht entdeckt ihr ganz besondere natürliche „Palindrome“ und wenn es auch nur der Jojo-Effekt ist 😉 – ich freue mich, davon zu lesen.

Euer Hendrik Fischer

Warum schmecken Salmiak Pastillen so komisch?

Die eine mag es überhaupt nicht, der andere kann nicht von ihnen lassen. An dem Geschmack von Salmiakpastillen trennen sich die Geister, genauso wie beim Rosenkohl oder der Frage nach süßem oder salzigem Popcorn. Ich persönlich esse alles davon, möchte euch aber keine Kochrezepte geben, sondern erklären, was es mit diesem Geschmack auf sich hat. Ganz im Sinne von „Chemie ist wie kochen, mensch darf nur den Löffel nicht ablecken“.

Die eine mag es überhaupt nicht, der andere kann nicht von ihnen lassen. An dem Geschmack von Salmiakpastillen trennen sich die Geister, genauso wie beim Rosenkohl oder der Frage nach süßem oder salzigem Popcorn. Ich persönlich esse alles davon, möchte euch aber keine Kochrezepte geben, sondern erklären, was es mit diesem Geschmack auf sich hat. Ganz im Sinne von „Chemie ist wie kochen, mensch darf nur den Löffel nicht ablecken“.

Salmiak-Pastillen

Der besondere Geschmack von Salmiakpastillen kommt von der chemischen Verbindung Ammoniumchlorid, auch Salmiak genannt. Salmiak ist eine schon sehr lange bekannte Substanz. Zunächst wurde es als Mineral abgebaut und war schon den Römern bekannt. Darauf deutet die Herkunft des lateinischen Namens „sal armoniacum/sal armenicum = armenisches Salz“ hin. Erst später wurde es synthetisch hergestellt. Zunächst durch Verarbeitung von Mist und Urin. Schmeckt es deshalb so komisch? Noch später wurde es industriell durch Reaktion von Ammoniaklösung mit Salzsäure, bzw. von reinem Ammoniak mit Chlorwasserstoff. In neuerer Zeit auch durch andere Reaktionen, die mit Kochsalz Natriumchlorid starten.

Für mich ist die Ammoniumchlorid Synthese in meinem kleinen Labor etwas ganz besonderes. Denn sie ein Paradebeispiel einer klassischen Säure-Base-Reaktion:

Säure reagiert mit Base unter Bildung von Salz

Säure-Base-Reaktionen sind eine der wichtigsten chemischen Reaktionsarten, neben Redox-Reaktionen, Polymerisierungen und anderen. Was das alles ist, und wo die Unterschiede bestehen, dazu komme ich in späteren Beiträgen sicher noch. In meinem Labor mische ich einige Tropfen Salzsäure-Lösung mit einigen Tropfen Ammoniak-Lösung. Das Reaktionsgefäß wird warm, es raucht ein bisschen. Und beim Abkühlen bilden sich weiße Kristalle. Diese Kristalle isoliere ich, trockne sie an der Luft und nach wenigen Stunden an einem warmen Ort habe ich eine kleine Menge von Ammoniumchlorid vor mir liegen.

Bereit zum Kosten? Oh, Nein! Denn bei allem Spaß muss bei der Chemie auf die Sicherheit geachtet werden. In der Geschichte der Chemie war es zwar üblich, zu analytischen Zwecken Substanzen zu kosten, jedoch senkte das Kosten der Substanzen das Durchschnittsalter von Alchemisten deutlich und ist heute durch moderne Analysemethoden ersetzt worden. Zum Glück! Würde jedoch Ammoniumchlorid gekostet, würde mensch einen kribbeligen, leicht beißenden Eindruck auf der Zungenspitze wahrnehmen. Die europäische Verordnung zur Kennzeichnung von Gefahrstoffen kommt zu dem Schluss, dass Ammoniumchlorid gesundheitsschädlich beim Verschlucken ist und schwere Augenreizungen verursachen kann.

Das offizielle Gefahrensymbol für Salmiak / Ammoniumchlorid

Und empfiehlt: Bei Kontakt mit den Augen: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen.

Und so etwas ist in Salmiak-Pastillen? Ja! Und nicht zu knapp. Ammoniumchlorid ist wegen seines sehr charakteristischen Geschmacks als Aromastoff in der Lebensmittelindustrie zugelassen und wird auch als wirksamer Bestandteil in Hustenlösern verwendet. Der Geschmack kommt durch die weitere Reaktion von gelösten Ammonium-Ionen im Mundraum zu Stande.

Müssen wir also Angst vor Ammoniumchlorid und generell vor Chemie in Lebensmitteln haben? Sicherlich nicht, denn wie bei jeder chemischen Substanz gilt das alte Paracelsus Prinzip, dass die Dosis das Gift macht. Im Fall von Ammoniumchlorid ist bekannt, dass täglich verzehrte 100 bis 150 Milligramm Ammoniumchlorid pro Kilogramm Körpergewicht gesundheitliche Beschwerden wie z.B. Bluthochdruck oder Muskelschwäche verursachen kann. Oder anders ausgedrückt: Ein 80kg schwerer Mensch würde sich also erst bei einem täglichen Verzehr einer 100g Packung Salmiak-Pastillen, die bis zu 8 % Salmiak enthalten kann, einem gesundheitlichen Risiko aussetzen.

Ich wünsche euch weiterhin guten Appetit, fröhliches Lutschen und denkt dabei an die Chemie!

Euer Hendrik Fischer